Gewerkschaft GDL warnt wegen Abellio-Aus in NRW vor Chaos im Nahverkehr

DÜSSELDORF | Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat wegen der kurzen Vorlaufzeit bis zur Notvergabe der Abellio-Verkehre im Februar 2022 vor enormen Risiken für Fahrgäste und Beschäftigte gewarnt.

„Eine Notvergabe in einer solch kurzen Zeit birgt durch die nachvollziehbare Unsicherheit unter den Mitarbeitern des abgebenden Unternehmens ein enorm hohes Risiko und gefährdet einen stabilen Zugverkehr für die Fahrgäste auf den betroffenen Linien“, sagte der Bezirks­vorsitzende der GDL NRW, Sven Schmitte.

Die Verhandlungen zwischen dem finanziell angeschlagenen Bahnunternehmen Abellio und den zuständigen Aufgabenträgern über die mögliche Fortführung oder Neuausschreibung der bestehenden Verkehrsverträge kommen seit Monaten nicht voran. Laut GDL ähneln die Verhandlungen gar „einem Pokerspiel mit sehr hohem Einsatz.“ Dabei verliere vor allem der Aufgabenträger aus dem Blick, „dass ein solch komplexes Eisenbahnpaket sicherlich nicht innerhalb von nur zwei Monaten reibungslos von einem, auf einen oder mehrere neue Betreiber übergehen können wird“, betonte der Gewerkschafter. Eisenbahnverkehre würden üblicherweise Jahre im Voraus vergeben. „Eine Übergabe dieser Menge an Verkehrsleistung ist in zwei Monaten garantiert nicht ohne die bewusste Inkaufnahme von Zugausfällen zu machen“, führte Schmitte weiter aus.

Sorge bereitet der GDL auch die Zukunft der heutigen Abellio-Zugbegleiter. Sollte ein Teil der Verkehrsleistungen an den Konkurrenten National Express gehen, hätten die Beschäftigten nach Angaben der Gewerkschaft keinen Anspruch auf tarifgebundene Vereinbarungen, da das Unternehmen Zugbegleiter nicht selbst anstellt, sondern diese vom Subunternehmen Apollo RTS Rail Traffic Safety & Service GmbH gestellt werden. Schmitte: „Wenn die Aufgabenträger den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wirklich eine Perspektive geben wollen, dann muss in der Neuvergabe die Direktbeschäftigung von Zugbegleitern durch das EVU eine zwingende Angebotsvoraussetzung für die sich bewerbenden Unternehmen sein.“

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) will am 9. Dezember über ein Ausscheiden der angeschlagenen Bahnfirma entscheiden. Die Abellio Rail GmbH mit Sitz in Hagen hat aktuell einen Marktanteil von 18 Prozent im Schienen-Personennahverkehr in Nordrhein-Westfalen – also etwa jeder sechste Zugkilometer im Regional- und S-Bahnverkehr wird von Abellio-Zügen bewältigt. Die Firma betreibt zum Beispiel den RE1 von Aachen über Köln nach Hamm und den RE11 von Düsseldorf nach Kassel-Wilhelmshöhe. Auch die S2 von Dortmund nach Essen und die S9 von Hagen nach Reckling­hausen werden von Abellio bedient.


Quelle: EVN

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